Kurzes Update aus der Resozialisierung – 02.08.18

Ein paar aufregende, strapazierende und ereignisreiche Wochen sind mit dem Sommer verschmolzen.

Zuerst einmal möchte ich meine aufrichtige Freude über die kürzlich zurückgewonnene Freiheit von Isa und Peike zum Ausdruck bringen.

Den Start der aufregenden Ereignisse stellte der Autobrand einer Schließerin dar. Wie berichtet, hatte dieses Ereignis mehrere Sanktionen seitens der Anstalt zur Folge.

Der Handyfund und eine lapidare Auseinandersetzung mit einem Schließer dienten als willkommener Vorwand für den persönlichen Rachefeldzug gegen mich.

Aber von Anfang an:

Noch während das Gericht über meinen 2/3-Antrag entschied, wurde ich in mehreren außerplanmäßigen Gesprächen dazu aufgefordert, mich öffentlich von dem Brandanschlag zu distanzieren. Mir wurde offen mit dem Entzug meiner Lockerungen und Freigängen, sowie mit der Verlegung in das „Horror-Haus2“ gedroht, sollte ich der Forderung nicht nachkommen.

Währenddessen wurde schon meine Post aufgehalten und kontrolliert und dies wurde mir erst zwei Wochen später eröffnet. Zudem befand ich mich im Einschluss, mir wurde mein arbeitsnotwendiger Laufschein und somit die Arbeit entzogen, ich hatte offiziell kein digitalen Medium und eine verhängte Einkaufssperre.

Zu der Zeit stellte die Postkontrolle die Spitze der Willkür dar, indem einfach alle politischen Zusendungen beschlagnahmt und Absender unbegründet gesperrt wurden.

Doch ein auszubildender Schließer hatte sich scheinbar zum Ziel gesetzt sich an die Spitze zu stellen, indem er mir eine, von Mitgefangenen gebackene, Pizza zu verwehren versuchte. Trotz eindringlichen Bittens bestand er auf den verhängten Einschluss und die damit verschlossene Tür. Ein beispielloser Akt der Ignoranz und Inhumanität. Die offene Tür, die sinnlose Diskussion, das Beharren auf Anordnung und Befehl und die 3-Meter entfernte, duftende Pizza in den Händen meines Bäckers.

Ein Schritt nach vorne, ein halbherziger Griff an meine Schulter, den ich ohne Anstrengung abstreifen konnte und ein leckeres Abendbrot. Eine gekränkte Autorität, die bei den Kollegen Trost suchte und fand.

Schnell wurde diese normale Begegnung zum Angriff auf einen Justizbeamten verklärt. Eine Begegnung, die für alles was noch kam, herhalten musste.

Am nächsten Tag wurde positiv über meinen 2/3-Antrag entschieden.

Wie angedroht, wurde bei der eilig angesetzten Vollzugsplankonferenz alles gestrichen. Mir wurde aufgrund der „Berührung“ eine Woche Arrest aufgebrummt und eine jeglicher Logik entbehrende Prognose ausgestellt.

Darin wird mir zur Last gelegt, dass ich Texte veröffentlichen würde (ein Umstand, der auch schon bei der Lockerungsbewilligung bekannt war), dass ich mich nicht von dem Brandanschlag distanziere und das böse Handy und sonstiger Krimskrams aus meiner Zelle, wie beispielsweise 60 Cent oder ein „angespitztes“ Messer, welches ich so „angespitzt“ am Tag meiner Ankunft aus der Hauskammer erhalten habe. Auch das neue Verfahren wegen Diebstahls, womit mir die Lockerung versaut wurde, wird aufgeführt.

Zufällig wird die Konferenz gerade noch am letzten Tag der Beschwerde-Frist gegen das 2/3-Urteil abgehalten. Der Teilanstaltsleiter war einen Tag zuvor aus dem Urlaub zurückgekehrt. Selbstverständlich müsse man die Staatsanwaltschaft (welche nur die Beschwerde einreichen kann) unverzüglich über die neuen Ergebnisse und den neuen Vollzugsplan, in dem von einer 2/3-Entlassung abgeraten wird, informieren.

„Der Fairness halber“. Alles klar.

Fickt euch selber!

Nach einer Woche Isolationshaft wurde ich dann unverzüglich  in Haus 2 abgeschoben. Das ist, sofern sich in der nächsten Woche gegen meinen 2/3-Antrag entschieden wird, gleichbedeutend mit Absitzen bis zum letzten Tag.

Um das zu erreichen, hat sich die Generalstaatsanwaltschaft eingeklinkt und vorgeschlagen, dass mein Antrag einfach verworfen wird, da der Ausgang ja schon festzustehen scheint.

Sicher ist sicher.

Ist wahrscheinlich einfach zu langweilig ohne rebellische Gefangene in Berlin?!

Nero

Nero in Isolationshaft – vorzeitiges Haftende aufgehoben

Nero befindet sich in Isolationshaft – Das vorzeitige Haftende (2/3 Strafe) wurde vorerst aufgehoben.

Nachdem Nero nun zwei Wochen auf die Entscheidung des Richters bezüglich der vorzeitigen Haftentlassung nach 2/3 der Haftzeit wartete, hat die Staatsanwaltschaft ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.[1] Der Richter hatte zwar zugestimmt, die Staatsanwaltschaft hat jedoch Beschwerderecht und konnte somit die Entscheidung kippen. Nun wird das Kammergericht entscheiden müssen. Bis wann die Entscheidung getroffen wird ist unklar, da das Gericht keine Frist einzuhalten hat. Derzeit gehen wir also davon aus, dass wir unseren Freund und Gefährten am 30. Juli nicht außerhalb der Knastmauern begrüßen werden können.

Kurz bevor ihm dies mitgeteilt werden konnte, haben die Schließer ihm ein Buch und zwei Unterhosen gegeben und ihn in eine Arrestzelle gesteckt. Dort muss er nun mindestens eine Woche sitzen. Ihm wurde nicht einmal eine kurze Hose gestattet, um die warmen Tage in vollständiger Isolation und ohne Ausgang etwas erträglicher zu machen. Er hat komplettes Kontaktverbot, darf nicht mit anderen Gefangenen sprechen und sie auch nicht sehen. Seit Wochen bekommt er keine Post und man darf sich sicher sein, dass diese beim Landeskriminalamt (LKA) landet und dort verweilt. Fernseher und Radio gibt es in der Arrestzelle nicht und er hat somit gar keinen Kontakt zur Welt jenseits seiner kleinen Zelle. Hinzu kommt ein Besuchsverbot. Dieser Zustand entspricht einer Isolationshaft.

Bei einer Vollzugsplankonferenz am letzten Montag, wurde ihm mitgeteilt, dass man beabsichtige ihn nach der Isohaft in die Teilanstalt II zu verlegen. Das Haus in dem sich immer wieder Gefangene suizidieren, weil die Zustände unerträglich und menschenunwürdig sind. [2];[3];[4];[5]

„Die Berichte von Inhaftierten aus der Teilanstalt II (TAII) der JVA Tegel in Berlin sind alarmierend: Suizide und Suizidversuche, qualvolle Enge, hohes Aggressionspotential unter Gefangenen, extremer Geräuschpegel, fehlende therapeutische Angebote, mangelhafte medizinische Grundversorgung, Wegfall von Freizeitangeboten. Dazu kommt eine marode Bausubstanz, defekte Küchen und Duschen, kosmetische Umbauten, die sich ewig hinziehen, Einschluss für Gefangene ab 17:45 h werktags, Verringerung der Besuchszeiten, Ausfall von Ausgängen und Ausführungen.“ (Outbreak #3 – GG/BO)

Schließlich kommt dazu, dass sie Nero zwingen wollen sich von der Autobrandstiftung gegen eine Justizmitarbeiterin der JVA Moabit zu distanzieren.[6] Das LKA scheint großen Druck auf die JVA Tegel auszuüben und die Schließer haben sichtlich Freude daran ihre Machtposition gegen ihn auszunutzen. Jedes Anzeichen einer regelwidrigen Handlung wird genutzt, um ihm weitere Repressionen aufzuerlegen. Er wird permanent bedroht und kann seine aktuelle Situation nicht mehr selbst schildern, da der Kontakt nach außen sowohl von der JVA, als auch dem LKA unterbunden wird.

Unsere Solidarität macht ihnen Angst – Unterstützt Nero‘s Widerstand hinter den Mauern und tragt dazu bei, dass seine Isolation eine rein physische bleibt!

 

[1] https://freenero.blackblogs.org/2018/07/10/lockerungen-werden-in-aussich…
[2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/haftanstalt-tegel-das-weggeschlossene…
[3] https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berliner-justiz-21-jae…
[4] https://www.tagesspiegel.de/berlin/untersuchungsbericht-zur-jva-tegel-an…
[5] http://www.lichtblick-zeitung.com/index_htm_files/01-2017.pdf
[6] https://de.indymedia.org/node/22207

Lockerungen werden in Aussicht gestellt und die Staatsanwaltschaft zieht an

Nach nunmehr einem Jahr konnte ich vor drei Wochen zum ersten Mal vor diese Mauern treten und meine Liebsten jenseits des Besuchsraum in der JVA in die Arme schließen. Noch am Tag meiner ersten und bisher einzigen Ausführung wird mir mitgeteilt, dass durch ein mir noch immer unbekanntes, offenes Verfahren meine Lockerungen auf Eis gelegt werden.

Diese Vorgehensweise entspricht der üblichen Taktik Gefangene erpressbar zu machen, indem man Hafterleichterungen gewährt, sie ihnen wieder nimmt und so versucht sie gefügig zu machen.

Eine, wahrscheinlich von derselben Adresse angeregte, Zellenkontrolle wurde außerordentlich gründlich durchgeführt. Es wurden total zusammenhanglos und ohne erkennbares Konzept private Briefe und eigene Texte entnommen. Auch alle meine technischen Geräte, inklusive meines Handys, sind weg. Als ob das nicht schon nervig genug wäre, folgte Tags darauf meine 2/3-Anhörung. Netterweise meldete sich dort die Staatsanwaltschaft telefonisch und klärte über die Durchsuchung auf.

In der vergangenen Woche hat eine Karre einer Schließerin aus Tegel gebrannt, daraufhin die Zellenkontrolle. Im Zuge dieser wurde auf meinem Handy das Bild eines Justizbeamten gefunden. Ich war erstaunt über die schnelle Bearbeitung, doch die Sache stellte sich als bewusste Fehlinformation heraus. Nicht auf dem kürzlich gefundenen Handy wurde das Bild entdeckt, sondern auf einem vier Monate älteren, welches erst jetzt ausgewertet wurde. Dieses Bild dient ihnen hervorragend dazu ihr Konstrukt auszubauen. Kurz gesagt versucht die Staatsanwaltschaft Isa und mir den Brand in die Schuhe zu schieben, bei ihm wurden ebenfalls mehrere private Schriftstücke geklaut. Es ist davon auszugehen, dass die privaten Unterlagen dem LKA für weitere Ermittlungen zur Verfügung gestellt werden.

Sie werden nicht müde meinen Hafterleichterungen Steine in den Weg zu legen. Seither ist die Stimmung in der Anstalt noch kühler als so schon. Mir soll es recht sein.

An alle die, die auf eine Antwort meinerseits warten: Zur Zeit wird meine Post abgefangen, ich bekomme seit zwei Wochen gar keine Briefe mehr. Im Gegensatz zu den üblichen Schikanen, werde ich nicht einmal mehr darüber informiert, dass Briefe zurückgehalten werden.

Meinem Freund Isa wünsche ich viel Kraft für seinen laufenden Prozess. Es ist beschämend und unverzeihlich, wie versucht wird aus diesem herzensguten Menschen und liebevollen Familienvater ein Monster zu machen.

Die Richtigen wissen wer du bist, Bruder!

Nero

Weimar, ein Kleinstadtrevier sieht Rot!

Es ist September und ich sitze in meiner Zelle, als die Tür aufgeht. „Anwalt“ – „Sicher nicht. Ich war heute schon beim Anwalt.“ – „Dann gehen sie halt nochmal.“ -“Ihr verwechselt mich schon wieder. Klär erstmal, ob ich wirklich gemeint bin, bevor ich sinnlos laufe.“ – „Sie sind gemeint, ganz sicher.“ – „Ich wette, dass es nicht mein Anwalt ist.“

Im Haus I ist es still, die Gänge menschenleer. Es ist schon Einschluss. Ich werde durch den Anwaltsflügel bis zum letzten Raum geführt. Die Wärterin am Empfangsschalter packt ihre Handtasche. Zwei Herren mittleren Alters, augenscheinlich Bullen im gehobenen Dienst, erwarten mich. Ich dreh um, doch der Wärter versperrt mir den Weg. „Ich will auf Zelle.“ – „Sie bleiben hier.“

„LKA-Berlin, wir kommen mit einem Beschluss zur DNA-Entnahme im Auftrag der Staatsanwaltschaft Erfurt.“ Meine Überraschung lässt sich nicht verbergen. „Setzen sie sich.“ – „Ich stehe lieber.“ – „Gut dann stehen sie.“ Ich setze mich.

Mir wird der Beschluss, sowie eine Rechtsbelehrung vorgelegt. Es werden mehrere übereinstimmende DNA-Spuren aus Leipzig, Hamburg und Weimar aufgelistet. Ich bin der schweren Brandstiftung in einem Verfahren in Weimar 2009 beschuldigt. Dort wurde am 06.12.2009 das hiesige Polizeirevier beschädigt und versucht anzuzünden. Ohne näher darauf einzugehen, wird festgestellt, dass ich jeweils in Weimar und Leipzig zur Tatzeit gemeldet war und ich mich somit in Tatortsnähe aufgehalten hätte.

„Ich will meine Anwältin sprechen!“ – „Das geht jetzt nicht.“ wird mir erwidert und die beiden Clowns beginnen ihr Schauspiel. „Sind sie mit der DNA-Entnahme einverstanden?“ – „Nein“ – „O.K., dann unterschreiben sie bitte hier, dass sie nicht einverstanden sind.“ Ich muss unwillkürlich lachen. „Sicher nicht.“ – „Also sie unterschreiben nicht?!“ – „Richtig.“ – „Auch gut, also hier ist ihr Abstrich-Röhrchen, das nehmen sie in den Mund und streichen sich an der Wange entlang.“ Ich verneine nochmals. „Aber wir haben den richterlichen Beschluss. Wenn sie nicht kooperieren, wird es nur unangenehm für sie.“ – „Aha.“ – „Also nehmen sie das Stäbchen mal.“ Ich nehme es entgegen und lege es zurück auf den Tisch. „Wir können auch den Arzt rufen. Dann kommen noch ein paar Beamte, fixieren sie während der Arzt sie sticht und Blut abnimmt.“ Beim letzten Satz macht er eine dramatische Geste. „Sie machen es sich nur unnötig schwer und schmerzhaft.“ schaltet sich der andere wieder ein. Ich sage nichts und frage mich, ob man gegen diesen lächerlichen Beschluss vorgehen kann. „Schauen sie, sie haben der Maßnahme widersprochen, das haben wir protokolliert, dann können sie das jetzt auch guten Gewissens machen. Ihre DNA bekommen wir so oder so. Sie entscheiden auf welche Art. Wenn der Arzt kommt, wird‘s schmerzhaft.“ Stille… Nach fünf Minuten schiebt mir der eine Bulle den Abstrich rüber. Ich schiebe ihn in selber, fragender Geschwindigkeit zurück. „Gut. Sie wollen‘s ja nicht anders. Dann holen wir jetzt den Arzt. Sie brauchen sich nichts einzubilden, ohne DNA gehen wir heute nicht weg!“ Ungehalten steht er auf und weist die Wärterin an, auf der Krankenstation anzurufen. Der andere nutzt die Zweisamkeit. „Sie wollen doch nicht wirklich gestochen werden, oder? Das tut echt weh, gerade wenn er mehrmals stechen muss oder abrutscht. Wir können ihn jederzeit abbestellen. Machen sie es sich nicht so schwer.“ Draussen beginnt es zu dämmern. Wir drei sitzen still in dem von Neonröhren erkalteten, tristen Raum. Durch die halb offene Tür beobachte ich die Wärterin, wie sie da steht mit ihren gepackten Sachen und regelmäßig, demonstrativ genervt, auf ihre Uhr schaut. Nach einer halben Stunde klingelt das Telefon leise im Glaskastenschalter. Sie nimmt ab und der Ungehaltene schreitet wichtig zum Hörer. Nun werde ich allein gelassen und vor der Tür auf dem Gang entbrennt eine kurze Diskussion. Die Tür geht auf und ein Wärter kommt zum Vorschein. „Sie können wieder auf Zelle.“ Zwei geknickte Gestalten daneben. „Wir sehen uns morgen in Tempelhof!“ sagt er bemüht männlich-triumphierend.Ich verabschiede mich grinsend.

Wieder auf Zelle kontaktiere ich meine Anwältin. Gegen einen richterlichen Beschluss kann man erstmal nichts machen, dennoch versucht sie das morgen früh durch einen Widerspruch zu verhindern. Viel Hoffnung macht sie mir nicht. Für mich heisst das: Morgen Zeit schinden. Nebenbei erfahre ich, dass sich der Anstaltsarzt geweigert hat die Blutentnahme durchzuführen.

Ich werde früh geweckt, doch ich lasse den Transport warten bis ich meine Morgenroutine möglichst entspannt und ausgedehnt abgeschlossen habe. Ungeduldig werde ich von meinen Fahrern vor dem umgebauten Streifenvito erwartet. Nach kurzer Fahrt durch das, von der aufgehenden Sonne erwachende, Berlin halten wir plötzlich mit Warnblinkern am Straßenrand. Schiebetür geht auf. „Mach das Kaugummi von der Kamera!“ – „Ist nicht meins.“ – „Freundchen, verarschen kann ich mich selber. Ich hab deine Fettfinger auf Band.“ – „Keine Ahnung. Hier ist seit Jahren nicht sauber gemacht worden.“ Ich deute auf die Hundekottüte neben meinen Füßen. „Mach‘s weg oder du zahlst die Reinigung.“ Ich zucke mit den Achseln, die Tür fliegt zu. Es geht weiter, weiter durch das herbstliche Berlin, bis wir nach 20 Minuten in der Tiefgarage in Tempelhof ankommen. Man gibt mir zu verstehen auszusteigen.

„Ich kann nicht laufen.“ – „Du kannst laufen. Ging doch vorhin auch.“ – „Jetzt nicht.“ – „Mach keine Faxen Junge und steig aus.“ Ich zucke mit den Achseln. Die beiden mühen sich ab, um mich aus dem Sprinter zu hieven. Ich werde von Fluchenden und Schwitzenden auf eine Bank in einer großen Sammelzelle gesetzt. Kurz darauf stehen die beiden Bullen von gestern gut gelaunt und triumphierend vor mir. Ich erkundige mich, ob das Erfurter Gericht schon angerufen hat, um die Maßnahme zu kippen. Es wird verneint und dem auch nicht nachgegangen. Stattdessen wird mir derselbe Vortrag vom Vortag gehalten und vor meinem Gesicht mit dem Abstrich rumgefuchtelt. Das geht so eine geschlagene halbe Stunde. Irgendwann wird es mir zu dumm und ich gehe in Schweigen über. Stille. Nach einer Weile gemeinsamen Schweigens platzt der Bulle: „Es reicht! Ich hole jetzt die Kollegen mit Kamera und wenn sie einmal zucken während der Arzt zusticht, gibt‘s ne Anzeige wegen Widerstand.“ Die Kollegen warten schon einsatzbereit vor der Tür. Es wird eng. Mit mir sind wir nun zu neunt. Einer hält einen Camcorder auf mich und steigt für einen besseren Kamerawinkel auf die gegenüberliegende Bank. Für die Kamera wird Datum, Uhrzeit, mein Name, sowie der Sachverhalt wiederholt. Um mir dann dasselbe Abstrichtheater nur in neuer Besetzung erneut vorzuspielen. DNA-Beschluss hier, Abstrich da, satanistische Blutentnahme dort. Wer hätte gedacht, dass Zeit schinden einem so einfach gemacht wird. Aber der erlösende Anruf kommt nicht. Irgendwann packen sie mich an den Armen und ziehen mich durch den engen Flur Richtung Behandlungszimmer. „Wartet! Pause!“ ruft einer, der meinen linken Arm hält, kurz vor ein paar Treppenstufen. Kurzes Verschnaufen, während sich ihre Knie auf meinem Rücken ausruhen. Es geht weiter durch die engen Flure ein paar Stufen rauf. Der Arzt ist sichtbar von der Menschenmenge verwirrt, als wir in seinen Raum platzen. „Auf die Liege!“ Nach zwei kläglichen Versuchen wird sich für den Boden entschieden. Dort werde ich von fünf Bullen fixiert. Der Arzt beugt sich über mich: „Ich habe hier so ein Stäbchen. Sie müssen nur ihren Mund aufmachen, dann ersparen wir uns die Spritze“.

Fassungslosigkeit macht sich in mir breit. Ich bezweifle, dass ich die Scheiße ein viertes mal aushalte. Ich antworte nicht und schließe die Augen. Wie bei einem zu fütternden Kind wiederholt der Arzt immer wieder: „Mund auf, einfach den Mund öffnen“. Ich merke wie etwas an meine geschlossenen Lippen geführt wird. Ich mache die Augen auf und schaue dem Arzt ins Gesicht. Als er meinen Blick empfängt, hört er auf. „Na gut, dann muss ich piksen.“ Er desinfiziert und will zustechen. In die Kamera blickend, erinnere ich ihn an die vorgeschriebene doppelte Desinfektion und Einwirkzeit. Ein Stich, zwei Röhrchen und ein Pflaster. Ich stehe auf und laufe zurück zu meiner Zelle, mit meinem Filmteam im Schlepptau. Auf der Rückfahrt konnte ich nochmals durch die kleinen, gepanzerten Scheiben Berlin an einem schönen Herbsttag betrachten. Wenigstens etwas nach drei Monaten Backstein und Stacheldraht.

Die Akte bringt Licht ins Dunkle: DNA-Träger aus Weimar ist eine schwarze Mütze, welche auf dem erschnüffelten Fluchtweg gefunden wurde. Selbe DNA wurde 2016 in Leipzig an Handschuhen in einem Rucksack festgestellt. Dieser Rucksack wird einer Personengruppe zugeordnet, welche nach einem Angriff auf Legida-Teilnehmer kontrolliert wurde. Ich wurde damals auch kontrolliert. Hinzu kommt eine weitere Übereinstimmung in Hamburg mit den ominösen Streugutkisten in dem Transporter zwei Wochen vor dem G20-Gipfel. Durch die dort festgestellten Personen wurde ebenfalls eine Verbindung zu mir hergestellt. Nachdem man von der absurden These, die Kisten wären Teil eines Entführungskommandos mit dem Messechef als Ziel, abgerückt ist, wird nun anderweitig ermittelt. Trotzdem kam die Anordnung zur DNA-Entnahme nicht etwa aus Hamburg, nicht von der „SoKo-Schwarzer Block“ und auch nicht aus Leipzig, sondern von der Kripo Weimar. Die mir nebenbei, um die Dringlichkeit ihrer Maßnahme mit Nachdruck zu begründen, die Teilnahme bei „militanten Aktionen“ und die generelle Teilnahme am G20-Gipfel in Hamburg, sowie einen sich „aufdrängenden Verdacht“ des Untertauchens in der Rigaer 94 unterstellen, ohne dass es darauf irgendwelche Hinweise gäbe. Mit den richtigen Schlagwörtern kann man sich der Unterstützung von Kollegen, Staatsanwälten und Richtern sicher sein, selbst wenn die Faktenlage recht dünn ist. Nicht wahr Herr Warskulat?!

Zur Tatzeit der Brandstiftung in Weimar bin ich gerade 14 Jahre alt geworden, hatte nicht viel mit der Szene zu tun und somit dementsprechend nicht viel von der massiven Repression mitbekommen. Im Nachhinein lässt sich sagen, dass in diesem Fall eine der umfangreichsten und aufwendigsten Ermittlungen in der jüngeren Polizeigeschichte Weimars stattgefunden hat. Generalverdacht und Denunziation inklusive.

Nachdem die Durchsuchung des autonomen Zentrums Weimars keine heisse Spur ergab, wurden einfach alle, die den Cops schon einmal mit „links“ in Erscheinung getreten sind und ihrer bürgerlichen und vorurteilsbehafteten Definition entsprachen, verdächtigt. Ab diesem Zeitpunkt war jeder in der Pflicht ein Alibi vorzuweisen, Und da sich die Bullen sicher waren, dass bei Vorladungen keine Aussagen gemacht werden, wurden alle als Zeugen geführt und befragt. Die mehrfachen Hausbesuche, Vorladungen, Zeugenvernehmungen, Alibiüberprüfungen, Befragungen von Angehörigen auf der Arbeitsstelle und weit ausserhalb Weimars, streckte sich über ein halbes Jahr. Dabei gab es Menschen, die bereitwillig Aussagen machten. Besonders Bewohner der Gerberstr. 3 taten sich mit Spekulationen, Schuldzuweisungen und Gossip hervor. Es wurden mehrere Funkzellenabfragen im Tatbereich ausgewertet. Alle sich auf dem Weihnachtsmarkt befundenen Person, sowie angrenzende Gastronomen, befragt. Trotz aller Bemühungen entstand kein wirklicher Ermittlungsansatz. Dennoch tiefe Einblicke in die linke Szene Weimars. Die wurden genutzt, um sich auf einen bestimmten Personenkreis aus der Gerberstr. 1, dem autonomen Zentrum, zu fokussieren. Eine Nacht nach dem Angriff auf das Revier gingen mehrere PKWs in Flammen auf. Daraufhin wurden zwei Personen festgenommen, welche schon in den Revier-Ermittlungen auftauchten. Die beiden wurden nun stark und massiv beschuldigt und unter Druck gesetzt. Wenige Monate später, noch während der anhaltenden Ermittlungen, suizidierten sich beide. Nichts liegt mir ferner, als ihre Entscheidung zu politisieren und für meine Zwecke zu interpretieren. Sie werden schon ihre Gründe gehabt haben. Anders die Bullen, die den Suizid klar als ihren Erfolg verbuchen. Das ließen sie mich ein Jahr später während eines Verhörs bzgl. Anti-G8-Graffittis im Gewahrsam wissen. „Ihr braucht euch nicht zu sicher fühlen! Wir kriegen euch auch noch so weit wie A und F!“

Diese perfide, perverse Genugtuung und Feindseligkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Weimarer Polizeibehörden. Da wird die Dienstwaffe in eine Gruppe von Schülern auf Kopfhöhe gezogen. Mehrere „augenscheinliche Linke“ grundlos hopps genommen, um sie anschliessend über Stunden im Gewahrsam physisch wie psychisch zu misshandeln. Dass ich jetzt, neun Jahre später, ein Jahr vor der Tatverjährung, mit einer fadenscheinigen Begründung behelligt werde, folgt diesem Schema. Einem eigenwilligen Kreuzzug gegen „Links“. So wurde 2014 auf Bitte der Staatsanwaltschaft die Beweismittel zu vernichten, von der Dienststelle Weimar verlangt, diese weiterhin zu aservieren. Und das obwohl seit 2010 keine neuen Ermittlungen angestellt wurden. Was ebenfalls seltsam anmutet ist, dass trotz des gegen mich eröffneten Verfahrens, keines bei Anfragen bei Polizei und Staatsanwaltschaft aufgeführt ist. Und das obwohl die Staatsanwaltschaft Erfurt das Berliner LKA mit der DNA-Entnahmen beauftragte. So als ob das Verfahren und die Ermittlungen inoffiziell geführt wurden. Um dem Richter und der Staatsanwaltschaft nicht einen weiteren Grund zu liefern, mich länger einzusperren, veröffentliche ich diesen Text erst jetzt. Nachdem das Verfahren gegen mich, aufgrund nicht übereinstimmender DNA, eingestellt wurde. Durch mein unkooperatives Verhalten habe ich mir noch eine Anzeige wegen Widerstand eingetütet.

In ewiger Feindschaft

Nero

 

Von Schweinen die fliegen und Alles zerstörenden Feuerbällen! Ein Resümee.

Ich packe meine letzten Sachen in die große Sporttasche, in der Hoffnung diese zu Hause auspacken zu können. Jeder hat mir dazu geraten im Falle einer Haftverschonung direkt vom Gericht aus in die „Freiheit“ zu entweichen. Nicht nochmal zurück in meine Zelle. Nicht nochmal zurück, um sich gebührend zu verabschieden. Nicht die Zeit die Sachen mit Gewissheit zu packen. Es kommt öfter vor, dass die Staatsanwaltschaft noch etwas findet, um dich doch da zu behalten. Ich verabschiede mich von meinen Haftbrüdern. Sie sind sich sicher, dass ich nicht zurückkomme. Genauso wie meine Freunde draußen. Meine Anwältin beschreibt die Verschonung als das wahrscheinlichste Ergebnis. Es fällt mir schwer meine eingeredete Neutralität zu bewahren und diese nicht in blinde Hoffnung umschlagen zu lassen.


Im Kiez ist viel los, Menschen die von Bar zu Bar taumeln. Es riecht verbrannt und Sirenen schneiden den Mix aus Musik und Gerede. Ich bin auf dem Weg nach Hause, als ich über mir das lauter werdende, drohende Dröhnen des Helikopters wahrnehme. „Jackpot! Den schick ich wieder nach Hause!“ schießt es in meinen Kopf. „Ach komm, du bist schon fast sicher zu Hause, in bunt und musst morgen früh raus.“ Ich fahre weiter. Ich komme an einem dunklen, menschenleeren Park vorbei. „Scheiß drauf! Wozu hast du das Ding denn eingepackt?!“ Ich steige vom Rad, verschanze mich im Gebüsch und visiere an. Ich warte darauf, dass er sich aus dem Strahl bewegt oder anfängt seinen Lichtkegel suchend in meine Richtung zu schwenken. Doch es passiert nichts. Er schwebt unbeeindruckt an derselben Stelle und leuchtet in die Rigaer. Nach einer gefühlten Ewigkeit fängt er an sich von mir weg zu bewegen. Endlich hat er es kapiert! Ich schnappe mir meine Sachen und trete in die Pedale. Ich fühle mich schon zu Hause, als das Dröhnen wieder zu hören ist. Ich habe das Gefühl, dass es lauter wird, während ich überlege meinen Stuff die Brücke runter zu schmeißen. Da ist der Heli schon direkt über mir.


Nach nicht endenden Türen und Schleusen werde ich von gut gelaunten Idioten gefilzt und in eine Gemeinschaftszelle gesperrt. Nach und nach füllt sich der Raum. Keiner redet, alle lauschen den scherzenden Idioten, die sich lautstark über ihr erbärmliches Leben und das vergangene Wochenende austauschen. Ich blätter gelangweilt meine Akte durch, versuche mich zu konzentrieren und alles nochmal durchzugehen. Die Beweislage ist erdrückend: Vollständig gefilmte Flucht. Laser, Handschuhe, Hassi, Zwille und Polenböller gefunden. Bei den Fotos meiner angeschwollenen Fresse muss ich lachen. Dazu kommt ein gut gefülltes Vorstrafenregister mit der letzten Verurteilung wegen schweren Landfriedensbruchs und Körperverletzung, bzw. versuchte schwere Körperverletzung gegen Vollstreckungsbeamte. Ein Jahr und vier Monate auf Bewährung habe ich damals bekommen. Die Bewährung ist erst vor einem Jahr ausgelaufen. Das einzige, was nicht klar aus der Akte hervorgeht, ist eine direkte Verbindung zu den Ausschreitungen in der Rigaer Straße und da das Ganze am Verkehrsgericht verhandelt wird, ist ein Politzusammenhang nicht unbedingt gegeben. Daher die Hoffnung auf einen Deal: Geständnis gegen kurze Haft und Haftverschonung bis zum Haftantritt. Solange die Strafe unter 12 Monaten bleibt und ich rauskomme, wäre das ein gutes Geschäft für mich. Da ich keine Reue oder Ähnliches zeige, kann ich meinen Stolz wahren und komme raus. So der Plan. Doch die Justiz spielt nicht nach deinen Plänen!


Zu spät! Die Bullen sind schon hinter mir. Plötzlich ist Berlin menschenleer, nur ich, der über mir schwebende Heli und die Streife hinter mir. Ich versuche gelassen zu wirken und wechsle die Straßenseite, um zu sehen, wie die Bullen reagieren. Tausend Gedanken schießen in meinen Kopf. Ganz ruhig? Flucht? Wo lang? Mit Bike oder zu Fuß? Wie komme ich dann nach Hause? Ich muss über die Spree! Und dann in den Park! Zur Brücke ist es nicht mehr weit! Hochschalten und ich fahre so schnell es geht. Zweiter Streifenwagen von vorne, ich weiche auf den Bürgersteig aus. Ich kann die Brücke sehen, da überholt ein dritter Wagen und versperrt den Weg, während parallel zu mir Blaulicht die Sicht nimmt. Ich bin ganz ruhig, trotzdem reißt mich ein Bulle von hinten vom Fahrrad. Ich lande auf dem kalten Asphalt. „Wo ist der Laser?“ brüllen sie, während mein Gesicht in den Boden gedrückt wird. Nachdem, trotz Schlägen und Hebelversuchen, kein Aufenthaltsort des Lasers aus mir rauszukriegen ist, dauert es etwas bis sie feststellen, dass es sich schlecht macht mich nach dem Laser zu durchsuchen und gleichzeitig mit Handschellen und fünf Schweinen zu fixieren. Der Inhalt meines Beutels liegt verstreut neben mir, als sie endlich den Laser finden. Professionell wird die Funktion und Farbe vor Ort in meinem Gesicht getestet. Ich überlege gerade wer meinen Hund morgen früh füttert und wie ich Ersatz auf der Arbeit organisiere, da werde ich gepackt und zum Streifenwagen geschliffen. Ich werde angeschnallt und zum Abschied mit der Faust geküsst.


Die aufgehende Tür unterbricht meine Gedanken. Ich werde aufgerufen und von der Sammelzelle durch mehrere Gänge in eine kleinere, alt wirkende Zelle verfrachtet. Ein Idiot fragt mich, ob ich meine Anwältin vor Prozessbeginn nochmal sprechen möchte. Langsam steigt die Aufregung. Wird viel Presse da sein? Sind meine Freunde gekommen? Stehe ich in zwei Stunden auf der Straße und schließe meine Liebsten in den Arm? Wird ein Deal zustande kommen? Endlich wird die Zelle geöffnet und ich werde über eine enge Treppe in den Gerichtssaal geführt. Ein antikes Gitter trennt mich vom Rest des Raumes. Spannungsvoll warte ich auf den Bericht von meiner Anwältin. „2,6 Jahre fordert der Staatsanwalt. Gegen Geständnis inklusive Rigaer, also Deckung von Straftaten, 1,6 Jahre mit Aussicht auf Haftverschonung, aber das ist keine Garantie.“ Ernüchterung macht sich in mir breit. „Du musst dich jetzt entscheiden!“ Ich versuche nachzudenken. Andere Verhandlungstage, weiter Moabit und hohe Haftstrafe oder weniger und eventuell heute noch rauskommen und wenn nicht, schnell in den regulären Vollzug?! Ich entschied mich für den Deal. Der Prozess war selten unspektakulär. Höhepunkt war die Zeugenvernehmung des Hubschrauberpiloten, der den hypothetischen Untergang Friedrichshains proklamierte und einen Absturz lebhaft skizziert hat. Ein Clown, der seine Rolle gut spielte.


Draußen höre ich die Bullen über Rigaerchaoten und Linksfaschisten reden. Sie sind sichtlich erregt über ihre Beute. Auf der Rückbank wird‘s kuschelig, mit zwei Schweinen, die versuchen mich Blick zu ficken. Angekommen im Hof der Wache werde ich mit verbogenen Armen und nach unten gedrücktem Oberkörper in‘s Revier geführt. Auf dem Weg macht mein Kopf Bekanntschaft mit dem Türrahmen. Bei der nächsten Tür versuche ich dies mit aktivem Gegensteuern zu vermeiden. Durch einen gekonnten Wurf lande ich unsanft auf dem Boden. „Wenn der mich nochmal schubst, knallt‘s!“ schreit er. Ich muss lachen. Das ist zu viel für ihn und er stürzt sich auf mich. Zum Zuschlagen kann er sich nicht überwinden. Er probiert lieber sogenannte Schmerzpunkte aus. Ich gönne ihm keine Genugtuung und versuche mir nichts anmerken zu lassen. Nach wenigen Minuten lässt er von mir ab. Ich liege auf dem Bauch und die Handschellen lassen meine Schultern und Oberarme brennend schmerzen. Ich werde liegend mir selbst überlassen. Immer mal kommen Bullen, die gerade erfahren haben, dass da eine „Rigaer-Zecke“ in ihrem Revier liegt, um entweder ihre Wut oder Neugier zu stillen. Anscheinend hatte das Friedrichshainer Revier vor Kurzem eine Weiterbildung in „Schmerzen zufügen ohne Spuren zu hinterlassen“ oder „Druckpunkte des Körpers“ absolviert. Jedenfalls haben die Männergrüppchen erst groß rumposaunt und gedroht „dass man doch mal das Licht ausmachen sollte“ und mir gleich „die Fresse poliere“, um sich letztendlich auf mich zu knien und an mir rumzudrücken. Da ich höchstens mal leise stöhnte, verloren sie schnell den Spaß. Nach vier bis fünf Stunden auf dem Bauch und tauben, schmerzvollen Armen wurde ich nach Tempelhof gebracht, ED-behandelt und gegen halb sieben gehen lassen. Zwei Wochen nach G20 wurde ich dann auf meiner Arbeit festgenommen und in U-Haft gesteckt. Fadenscheinige Begründung war mein Wohnsitz bei meiner Mum, der 500 km von meiner Arbeit in Berlin entfernt ist. Da trotz Ummeldung und angebotenen Auflagen am Haftbefehl festgehalten wurde und immer wieder neue Gründe gefunden wurden, die ihn rechtfertigten, war das nur ein dummer, scheinheiliger Vorwand.


Das Gericht zieht sich zurück! Ich hoffe noch immer auf Haftverschonung. Der Richter verkündet, dass diese aufgrund der nicht zusagenden Wohnverhältnisse nicht gewährt werden kann. Dann ist alles ganz schnell vorbei. Alle verlassen den Saal in die „Freiheit“ und ich werde wieder über die Treppe von Käfig zu Käfig in meine Zelle gebracht.


Nun sind seit den Ereignissen einige Monate vergangen und ich hatte Zeit diese zu verarbeiten und zu bewerten. Das, was mich am Meisten stört, ist dass ich diesen Deal eingegangen bin. Ich finde es nicht unbedingt falsch, aber dennoch ungünstig. In einem geführten Prozess hätte ich wohl eine ähnlich hohe Strafe erhalten. Zudem wird ein Geständnis von der Justiz anders gewertet, als ich dies tat. Für mich war und ist es einfach eine Antwort auf eine Frage:“Ja, ich habe vorgeworfenes getan.“ Punkt. Doch für die Exekutive ist es ein Schuldeingeständnis. Also eine Art Einsicht, dass man Verbrechen begangen hat. Alle Mitgefangenen haben mich fassungslos angestarrt, als ich ihnen erzählte, dass ich mich nicht entschuldigt habe und auch sonst keine Anstalten machte, um das Gericht milde zu stimmen. Für sie ist es ganz selbstverständlich Einsicht und Reue zu heucheln, um einer hohen Strafe zu entgehen. Doch ich wollte meinen Stolz und meine Würde behalten. Zumal es sich für mich um eine Tat aus Überzeugung handelt. In meiner Auffassung habe ich das auch trotz Geständnis. Was mir durch die Haft und den Prozess nochmal eindringlich klar geworden ist: wie kaputt diese Gesellschaft und im speziellen die Justiz an sich, in ihrem Fundament, ist. Ein großes inszeniertes Theater, in dem jeder seine Rolle spielt. Ein Theater mit tausend Kulissen und doppelten Böden. Der Pilot beispielsweise wurde nur verhört, um mir die Chance zu geben, mich persönlich zu entschuldigen. Dessen Aussage hatte keinerlei Auswirkung auf das schon vereinbarte Strafmaß. Wahrscheinlich wollte man bei dem öffentlichen Interesse noch den Anschein einer Verhandlung wahren. Das Gericht hatte auch nie vor mich Haft zu verschonen. So sollte nur Druck auf mich ausgeübt werden. Indem man mir die scheinbar realistische Aussicht auf Freiheit vor die Nase hielt, hoffte man auf ein Geständnis und eine unkomplizierte Verurteilung. Und auch wenn ich mir das damals nicht eingestehen konnte, hat die U-Haft ihre Wirkung bei mir entfaltet. Und wie ein Fisch schluckte ich den Köder. Die Krone setzte der Richter dem Ganzen in seiner Begründung auf. Indem er versuchte meinen Freund dafür verantwortlich zu machen, dass er mich, trotz seines sehnsüchtigen Wunsches, nicht gehen lassen kann. Komisch, dass vier Wochen später eine Haftverschonung mit der Gefahr des Untertauchens vom selben Richter abgelehnt wurde. Wie gesagt, alles ein großes Schauspiel. Als jemand, der gezwungen wird mitzuspielen, sollte man sich seine Rolle gut überlegen. Am Besten wäre es natürlich, wenn man gar nicht mitspielt, dem Richter sagt, was für ein Hundesohn er ist, nicht aufsteht und am Besten gar nicht erst zum Termin erscheint. Aber dann sitzen wir bald alle wegen fehlenden Lichts am Fahrrad. Alles wie immer ein Kompromiss. Den Widerspruch leben. Das Erlebte ist mein Kompromiss, bei dem ich Haltung bewahre. Ich hoffe, dass Menschen in ähnlichen Situationen meine Erfahrungen nützen. Dass darüber geredet und diskutiert wird und so ein Bewusstsein für das individuelle Handeln entsteht.

Viel Kraft den Companer@s in Afrin!

Ach ja und Knast kostet. Gebt mir euer Geld!

Liebe Grüße

Nero

Beitrag: Silvesterdemo zum Knast

13.12.17

Auch wenn ich mich nun in Tegel befinde.. Ich grüße euch freudig von der anderen Seite dieser Mauern.

Vor einigen Tagen erreichte mich die traurige Nachricht über die Räumung des Gare-Squats und der Inhaftierung von anderen Companeros in Exarcheia/Athen.

Dass sich die Bullen gerade diesen Zeitpunkt für ihre Operation ausgesucht haben, ist wohl kein Zufall. Wo die Besetzung doch schon über ein Jahr bestand und es Phasen gibt, die ein durchaus entspannteres Arbeiten für die Bullen in Exarcheia ermöglicht. Dies zeigt, dass es ihnen nicht um die reine Räumung eines besetzten Hauses ging. In einer Zeit, wo sich intensiv auf die Verteidigung des Viertels durch die solidarischen Aktivisten vorbereitet wird, stellt das einen Angriff auf unsere Strukturen, aber vor allem eine gewollte Provokation dar.

Ein kläglicher Versuch ihrerseits, bei dem sie ja schon Steine fressen durften, als Vorgeschmack für Kommendes. Applaus dafür!

Nur weil wir von den Schweinen nichts anderes erwarten, mindert das nicht die unverschämte Dreistigkeit und Unmenschlichkeit, in einer Phase des Gedenkens an Alexandros und die vielen weiteren Schwestern und Brüder, ermordet durch Staates Hand, in unsere Räume einzudringen und unsere Leute zu traktieren und festzusetzen. Dies zeigt deutlich auf, in was für einer Art Konflikt wir uns mit dem Staat und dessen Vertretern befinden. In einer wo keine Rücksicht auf Würde, humane Befindlichkeiten, Rechte, Ethik und Leben genommen wird. Es liegt an uns dem entgegen zu treten.

Umso mehr erfüllt es mich mit Stolz und Glück, wenn ich an die vergangenen Nächte in Exarcheia und den Besuch an der Parteizentrale, der wohl eher den davor abgestellten galt, zurückdenke.

Zeitgleich kämpfen unsere Freund*innen im Hambacher Forst um das noch übrig gebliebene Stück Wald, welches symbolisch für zukunftsorientiertes, logisches Denken und gegen die Ermordung des Lebens für Profit steht. Und auch wenn nun ein Gericht, eines von vielen, die Bagger, Kettensägen und dessen niederen Beschützer zum Stillstand verdonnert, sollte man das nicht als Erfolg missinterpretieren. Immerhin sind über zwei Drittel des Hambacher Forstes bereits widerrechtlich zerstört worden. Jetzt der Justiz zu vertrauen und zu danken, die diese Zerstörung unkommentiert geschehen lassen hat und das dort und andernorts auch weiterhin tun wird, kann man stark untertrieben als naiv bezeichnen. Daher hoffe ich auf weiterhin breiten und entschlossenen Widerstand. Gegen ein Paradebeispiel von Kapitalismus Hand in Hand mit Staat und Justizia und der irrsinnigen Vorstellung von Recht und Ordnung. Denn es ist nun mal legitim ein Biotop, ein Lebensraum, Leben an sich, das Klima, letztendlich diese Erde zu Gunsten des Umsatzes zu zerstören. Und wenn du dich dagegen stellst, bekommst du Pfeffer und Stiefel ins Gesicht, landest im Knast oder wie unser Freund Remi Fraise mit einer Gasgranate im Kopf unter der Erde.

Vor zwei Jahren stand ich dort, an eurer Seite. Nicht ahnend, wie es auf der anderen Seite der Mauer aussieht und welch absurdes Spiel von der Justiz innerhalb dieses abgetrennten Kosmos gespielt wird. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, was für eine Wirkung oder Bedeutung meine Beteiligung an einer Demonstration vorm Knast für die Insassen hat. Ich stand da in der festen Überzeugung, dass es das Richtige ist mein Silvester, die größte Party der Erde, in Solidarität mit Mitstreitern, Leidensgenossen, Verstossenen und Ungeliebten dieser Gesellschaft zu verbringen. Was ich jetzt weiss, ist: für mich, für uns hier hinter den doppelt vergitterten Fenstern und den mit Natodraht verzierten doppelt gezogenen Mauern, bedeutet es viel.

Es gibt zwei Mechanismen mit denen sie dich hier drinnen fertig machen: Die bekannte Isolation von Freunden, Familie, Geliebten und materiellem Luxus. Das andere ist die zermürbende Langeweile, Tristes, Eintönigkeit, mit der du gefügig gemacht werden sollst. Indem du jegliche menschliche Aufmerksamkeit würdigst, danach verlangst und lächelnd einen schönen Feierabend wünscht, während der Schlüssel ins Schloss klackt. Indem du dich anstrengst, gut führst, andere anscheisst für einen Sklavenjob, ein paar Stunden mehr in Gesellschaft, öfteres Duschen, Sport- und Gruppenangebote. Bei 21h Zellenroutine wird das wöchentliche Duschen zum Highlight.

Also macht mal ordentlich Lärm, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu zerschlagen, die Isolation und die routinierte Tristes.

Für ein widerständiges Jahr 2018 in Athen, in den Knästen, auf der Straße, im Hambi und überall, wo es noch gerade Menschen zu vermuten gibt!

Grüße gehen raus an Fabio, Andreas und die μπαχαλα-Crews!

Nero

Ein Gefährte im Knast

Am 18. Oktober 2017 fand der Prozess gegen unseren Freund und Gefährten Nero am Amtsgericht in Berlin Moabit statt. Ihm wurde vorgeworfen am 16. Juni 2017 einen Polizeihelikopter mit einem Laserpointer geblendet zu haben. Am selben Abend fand ein Konzert auf der Rigaer Straße statt und es kam zu Ausschreitungen. Nero wurde im Friedrichshainer Südkiez festgenommen, auf der Wache misshandelt und am nächsten morgen wieder freigelassen. Einen Monat darauf haben mehreren Zivis an seinem Arbeitsplatz auf ihn gewartet und ihn bei seiner Ankunft verhaftet. Seither, mittlerweile sind es drei Monate, sitzt er in Untersuchungshaft in der JVA Moabit.

Schon vor dem Gerichtsgebäude in der Turmstraße waren einige Uniformierte abgestellt und im Umkreis schlichen weitere Zivis herum, um die Besucher*innen des Prozesses zu belästigen. Vor dem Saal sammelte sich die Presse und die vorgeladenen Bullenzeugen. Der Prozess sollte 09:20 beginnen, es dauerte jedoch über eine Stunde, bis die Presse und Besucher*innen nach einer langen Vorbesprechung in den Saal gelassen wurden. Nach Verlesung der Anklageschrift gab der Richter bekannt, dass sich darauf geeinigt wurde, dass das Strafmaß 16 – 20 Monate nicht überschreiten würde, sofern der Angeklagte geständig ist. Zu diesem Geständnis gehörte es, dass er einräumt den Helikopter geblendet zu haben, um die Krawalle in der Rigaer Straße zu begünstigen. Dies ist ein Verbrechen und das Strafmaß beläuft sich auf 1 – 15 Jahre. Mit einem einfachen „Ja“ wurde somit unter Druck das Strafmaß auf die 16 – 20 Monate gedrückt. Im Anschluss betrat der Pilot des Helikopters als Zeuge den Saal. Angelo Koepp ist jedoch nicht nur Pilot, sondern auch ein ausgezeichneter Schauspieler. Offenbar hat er sich lange auf seine Vorstellung vorbereitet, um möglichst dramatische Szenerien auszumalen und unseren Freund möglichst hart bestrafen zu lassen. Er berichtete ohne jede Quelle von einem langzeitgeschädigten Kollegen, welcher angeblich nach einer solchen Laserattacke im Helikopter noch immer eine Lesehilfe benötigt. Zudem erklärte er, dass sie normalerweise nur mit einem Piloten und einem Assistenten fliegen, der im Notfall den Helikopter nicht steuern könnte. Wie es der Zufall so will, waren aber bei allen Angriffen mit Laserpointern zwei Piloten an Bord und somit ein Absturz überaus unwahrscheinlich. Angelo war sich nicht zu fein Horrorszenarien für den Fall eines Absturzes auszumalen, indem er erklärte, dass die 330 verbliebenen Liter Kerosin an Bord einen riesigen Feuerball hervorrufen würden. Komisch, dass wenn zwei Helikopter am Olympiastadion sich ungewollt paaren, kein solch ein Feuerball entsteht, obwohl ja wesentlich mehr Kerosin im Spiel war. Dieser Feuerball konnte wohl nur verhindert werden, weil der Laserpointer aus einem zu steilen Winkel auf den Helikopter gerichtet wurde. Wäre er aus einer größeren Entfernung auf ihn gerichtet worden, hätte er abdrehen müssen. So konnten sie die Verfolgung aufnehmen und nach der Festnahme in die Rigaer Straße zurückkehren. Vor Beginn des Einsatzes wurde ihnen schon mitgeteilt, dass sie in der Rigaer Straße mit Laserpointerangriffen rechnen müssen. Gut so, wo doch der Helikopter den Kiez seit Jahrzehnten terrorisiert und nicht nur die Hausbesetzer*innen, sondern auch alle anderen im Kiez lebenden die Schnauze voll von ihm haben. Zum Ende sollte er sich zu der Anzahl der Einsätze in der Rigaer Straße äußern, konnte sich jedoch wegen der fehlenden Aussgaegenehmigung vor einer Antwort drücken.

Nachdem Angelo sein Bühnenstück beendet hatte, setzte er sich zu den wenig begeisterten Besucher*innen, um dem weiteren Prozessverlauf zu folgen. Es wurde sich geeinigt, dass es nicht nötig sei weitere Zeugen zu vernehmen. Lediglich ein Freund wurde gehört, um zu bestätigen, dass Nero bei ihm wohnt und keinesfalls obdachlos, sondern einer von vielen in dieser Stadt ist, der nur schwer eine Wohnung findet und als Arbeiter kaum die Zeit hat sich mehrere Tage in die Schlangen der Bezirksämter einzureihen, um sich umzumelden. Neben ziemlich dämlichen Fragen seitens eines Schöffen, gab es nichts weiter zu sagen und es wurde sich bis 11:30 zur Urteilsfindung zurückgezogen.

Als sich die Türen zum Saal 101 wieder öffneten, saßen alle vorgeladenen Bullenzeugen mit auf den Besucher*innenplätzen, obwohl sie längst hätten nach Hause gehen können. Das waren die drei Cops, die im Helikopter saßen, (der alte mit dem grünen shirt – funktion?) und Herr Habedank, Ermittlungsleiter beim LKA 5, welcher es sich nicht hat nehmen lassen einigen Besucher*innen zu zeigen, dass er genau wisse, wer sie sind. Alle waren freudig erregt und gespannt auf das Urteil.

Bei der Urteilsverkündung ließ der Richter es sich nicht nehmen einen scheinbar unendlichen Moralvortrag in Richtung des Publikums zu halten und alle vom Schauspielerpiloten aufgeführten Horrorszenarien in sein Urteil einzubringen. Er stimmte dem Staatsanwalt in seiner Forderung auf 18 Monate Gefängnis zu und hielt es für unerlässlich, dass die Strafe auf dem Fuße folgt und eine Bewährung nicht hilfreich sei, da er den „Kampf gegen die Polizei“ weiterführen würde. Hoffen wir, dass er das da drinnen ebenso erfolgreich tut, wie er es hier draussen getan hätte.

Zuletzt wurde über die Haftverschonung bis zum Strafantritt entschieden. Auch diesem Urteil ging ein langer Vortrag voraus. Da unser Freund keinerlei Reue zeigte, wurde dies als Wiederholungsgefahr angesehen und sein fehlender Mietvertrag wurde ohne Beachtung der Wohnungsmarktsituation in Berlin, als Fluchtgrund eingestuft.

Somit ist und bleibt unser Gefährte im Knast.

Sprengt die Knäste, sprengt Paläste, sprengt die Schweine in die Luft!

A comrade in prison

On october 18th 2017, the trial against our friend and comrade Nero took place at the Amtsgericht in Moabit. He was charged with blinding a police helicopter with a laser pointer. On that same night, a concert was taking place in Rigaer straße, which led to riots in the streets. Nero was arrested in the Südkiez in Friedrichshain, assaulted in the police station and let go again the next morning. A month later, civil cops where waiting at his work place and arrested him upon his arrival. Since then, it has been three months, where he has been in custody in the JVA Moabit.
Cops where already waiting in front of the court house in the Turmstraße and civil cops where snooping around the neighbourhood, to harass visitors. Press and police witnesses had gathered in front of the court room. The trial was supposed to start at 9:20 AM, though it took over an hour before the press and visitors where allowed inside. After having read out the charges, the judge declared, that a deal had been agreed upon, stating that the sentence should not be over 20 months, should the defended admit to the charges that is. The confession included the blinding of the helicopter with the intention to support the riots in the rigaer straße. These charges can legally be met with 1-15 years in prison. With a simple „yes“ under pressure, the sentence was set between 16 and 20 months. Afterwards the pilot was called to the stand. Angelo Koepp is not only a pilot but also a great actor. Obviously, he had practiced his performace many times, to create dramatic scenes, in order for our friend to recieve a harsh punishment. Without naming any sources, he talked about a long term disabled colleague, who allegedly after a similar attack still requieres a reading aid. He also explains, that usually the helicopters are only equipped with one pilot. But as chance might have it, during all the laser pointer attacks, two pilots where on board to prevent a crash. Angelo was not shy about imagining catastrophic scenes in case of a helicopter crash by explaining how the 330 liters of kerosene, that where still in the tank could have created a monstrous fire ball. Strange, how when two helicpoters collided at the Olympic stadion, no such fire ball could be seen, even though a lot more kerosene was in play then. Only the steep corner, with which the laser was pointed at the helicopter, prevented such a disastrous fire ball. This way the pilots were able to follow Nero, arrest him and afterwards return to rigaer straße. Already before the shift that night, they had been told to expect attacks with laser pointers in the rigaer straße. Just as well, since the helicopters have been terrorising the neigbourhood for decades and it‘s not just the squatters who are fed up with it. Coming to an end, the witness was asked to name the number of operations carried out in the rigaer straße. Relaying on a missing permission to testify, he refused an answer. After finishing his performance, Angelo joined the irritated visitors, to follow the rest of the trial. After that everyone agreed, that it was unneccasary to hear any more witnesses. Only one friend was heard from the judge. He stated that Nero was staying at his place and was in fact not homeless but just one of the many people in this city in trouble of finding an apartment and beeing a worker has limited time to stand in an endless line at the Bürgeramt to officially register. Apart from a couple of stupid questions from the Schöffen, there was nothing left to say and the judge retreated until the proclamation of sentence.
When the doors to room 101 opened again, all the cop witnesses had occupied the visitors seats, even though they were no longer needed. The three cops who had been in the helicopter and Mister Habedank, the director of LKA 5, who did not mind to show several visitors, that he knows exactly who they were. Everyone was excitingly awaiting the sentence. During the proclamation of sentence, the judge did not miss the chance to give a seemingly endless moral speech towards the audience. He integrated all the horror scenarios, that had been brought up by the pilot in his sentence. He agreed wiht the prosecutors demand of 18 months in prison, without parol, since that would only give Nero the chance to continue his fight against the police. We hope that he will fight this struggle in there, just as successfully as he did it out here. Lastly the judge decided against letting Nero out for a while before his sentence started. He also held another long moral speech before he proclaimed his decision, saying that since our friend did not apologize for his actions, there was danger for repitition and his missing rent contract was taken as a flight risk.
Therefore our friend is and will stay in prison.
Blow up the prisons, blow up the palaces, blow up the pigs!

Antiknasttage 2017

Mit folgenden Worten grüße ich euch aus der JVA Moabit. Ich wünsche euch viel Kraft und Erfolg in euren Kämpfen und natürlich besonders für die anstehenden Antiknasttage.

Vor kurzem habe ich eine Reportage über japanische Schüler*innen einer elite- Kosmetik- und Beautyschule gesehen. Sie arbeiten da am Tag 10h mit militärischem Drill und danach wird gelernt, um den hohen Anforderungen standzuhalten und den fast täglichen Prüfungen gewachsen zu sein. Geschlafen und gelebt wird zu sechst in einem Zimmer, welches ungefähr doppelt so groß, wie eine Zelle, ist. Die wenige Freizeit wird mit Smartphone, Kartenspielen oder auf einem der heruntergekommenen Basketballplätze verbracht. Das Gelände darf aus versicherungstechnischen Gründen nicht verlassen werden. So verbringen 6000 Menschen drei Jahre ihres Lebens, bis zum Ende der Ausbildung. Wobei dies wohl nicht das Ende dieses Lebensstils bedeutet. Beim betrachten dieser Szenen überkam mich ein beklemmendes Gefühl. Ich hätte, trotz meiner derzeitigen Situation, nicht mit diesen Schüler*innen tauschen wollen. Diese Menschen tun mir mehr leid, als ich mir selbst. Das Traurige ist nicht, dass sie ein Leben unter solchen Bedingungen fristen, sondern dass diese Menschen dies scheinbar freiwillig, ja mit einer Genugtuung und Freude tun.

Für mich stellt dies nur ein überspitztes Beispiel der Traurigkeit des Lebens, oder das was die meisten hier als Leben definieren, dar.

Sich selbst zu knächten.

Soweit ich mich erinnern kann, fühlte ich noch nie die ersten, langsam und schüchtern fallenden Schneeflocken des herannahenden Winters auf meiner Haut. Da ich entweder in einem Klassenzimmer saß oder gezwungen war zu arbeiten.

Was ich damit auszudrücken vermag, ist das bekannte und zu Genüge zitierte Dilemma unserer Gesellschaft, in Bezug auf Knast.

Dass es natürlich beschissen ist, dass der Staat mich wegsperrt und mir vermeintliche Freiheit nimmt, aber ich glücklich darüber bin mein Leben selbst in die Hand genommen zu haben, frei zu denken, mich und andere zu hinterfragen und sie dadurch in ihrer Entfaltung nicht zu blockieren und ich danach in letzter Konsequenz Repression und auch Knast in Kauf nehme. Denn trotzdessen ich eingesperrt bin, bin ich freier als der Schließer, der mich am Nachmittag einschließt, seinen Spint zuschließt, sämtliche Schleusen hinter sich verriegelt, seine Autotür schließt und womöglich aus Angst auch noch seine Haustür mehrfach hinter sich abschließt. Um dies Tag für Tag zu wiederholen.

Was ich mir von Antiknasttagen wie diesen erhoffe, ist eine Endtabuisierung von Repression und Knast. Dass wir die Angst ein Stück weit verlieren, um den Menschen, die es als Konsequenz einer subversiven und radikalen Auseinandersetzung mit den Verhältnissen, erwischt, helfen zu können die Zeit, in der sie gefangen sind, möglichst entspannt gestalten zu können.

Ein Freund schrieb mir dazu:“ Wie schade es ist, wie sehr wir die gesellschaftliche Kälte in uns eindringen lassen haben und diese verinnerlichen.“

Das für die meisten Menschen Knast bedeutet, dass die Person wirklich isoliert sei, das ist in meinen Augen Quatsch!

Es gibt einen Haufen Möglichkeiten, die die imaginären, vom Staat errichteten Kammern der Isolation schmelzen lassen und dafür zu sorgen, dass die Sicherheitsindustrie angekurbelt wird, dadurch dass wir dafür sorgen, dass jeder, der sich zwischen uns und unsere Freiheit in den Weg stellt, sich in seinem Haus verrammelt.

Bei der Entwicklung entsprechender Konzepte und deren Ausführung wünsche ich viel Spaß und Erfolg.

NERO